Predigt am Sonntag Septuagesimae, 16. Februar 2025

Tue, 18 Feb 2025 21:14:44 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

Predigttext: Matthäus 20,1-16
Liebe Gemeinde,
Jesus kann doch nicht rechnen, oder? Wir haben das eben in der Lesung, in dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die Jesus erzählt, gesehen. Das ist unser Predigttext heute.

Während der Erntezeit war es üblich, direkt nach Tagesanbruch zusätzliche Arbeiter für den Tag anzustellen, Tagelöhner. Der Weinbergbesitzer macht das so und einigt sich mit den Arbeitern auf den Lohn: 1 Silberstück für den Tag. Wir erfahren nicht, warum er morgens, mittags und nachmittags noch mal neue Leute anstellt. Vielleicht ist einfach viel zu tun, möglicherweise hat er aber auch einfach Mitleid mit den Menschen, die noch keine Arbeit haben. Ein Tagelöhner braucht jeden Tag eine neue Anstellung, sonst hat seine Familie nichts zu essen. Wie sehr haben sich die Männer gefreut, um die elfte Stunde, das ist etwa fünf Uhr Nachmittags, die Worte zu hören: „Auch ihr könnt in meinen Weinberg gehen!“ Sie waren ja nicht faul, sie wollten arbeiten. Als Jesus sie fragte: ›Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?‹  antworteten sie ihm: ›Weil uns niemand eingestellt hat!‹

Es wird Abend. Zeit für die Abrechnung. Es wäre ganz einfach gewesen, genau auszurechnen, wie viel jeder bekommt. Und es wäre gerecht gewesen, den Arbeitern, die den ganzen Tag geschuftet hatten, mehr zu geben als denen, die nur noch zwei oder drei Stunden im Weinberg waren.
Aber der Verwalter bekommt von dem Weinbergbesitzer die Anweisung, allen dasselbe auszuzahlen, 1 Silberstück.
Ist das nun ungerecht?

Das ist eine Frage des Standpunktes. Diejenigen, die den ganzen Tag da waren, haben genau das bekommen, was der Besitzer ihnen versprochen hatte. Sie könnten also einfach zufrieden nach Hause gehen. 

Blöd ist nur, dass sie mitbekommen, was die einstecken, die viel weniger gearbeitet haben, nämlich genau dasselbe. Deshalb fangen sie an zu meckern: Sie beschwerten sich, heißt es und einer sagt:  ›Die als Letzte gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet. Aber du hast sie genauso behandelt wie uns. Dabei haben wir den ganzen Tag in der Hitze geschuftet!‹

Da sagte der Grundbesitzer zu ihm: ›Guter Mann, ich tue dir kein Unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf ein Silberstück geeinigt?  Nimm also das, was dir zusteht, und geh! Ich will dem Letzten hier genauso viel geben wie dir. Kann ich mit meinem Besitz nicht machen, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich so großzügig bin?‹

Aus der Sicht des Besitzers ist also alles in Ordnung, aus der Sicht einiger Arbeiter nicht. Und es kommt noch ein rätselhafter Satz dazu. Der Weinbergbesitzer sagt zu dem meckernden Arbeiter: " So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“ Das ist ja sprichwörtlich geworden: "Die Letzten werden die Ersten sein". 

Das alles zusammengenommen bedeutet doch so viel wie: Bei mir gelten andere Maßstäbe!

Damit endet die Geschichte, die Jesus erzählt, und wir müssen zum ersten Satz zurückgehen: Jesus sagt: „Das Himmelreich gleicht einem Grundbesitzer ….“, es ist eben ein Gleichnis. Jesus erzählt die Geschichte also, um seinen Zuhörerinnen und Zuhörern klar zu machen, dass mit ihm das Himmelreich gekommen ist und darin andere Maßstäbe gelten als wir gemeinhin erwarten!

Und das ist für uns heute genau so wichtig wie für die Menschen damals. Wir wünschen uns auch Gerechtigkeit. Wir wünschen uns auch, dass die, die immer fleißig sind, dafür auch mal richtig belohnt werden. Wer sich zum Beispiel ehrenamtlich einsetzt, soll auch die entsprechende Anerkennung bekommen. 

Und wir sind genau so verschieden wie die Arbeiter im Weinberg. Einige sind schon von klein auf in einer Kirchengemeinde, einige kommen erst viel später dazu. Einige sind ihr Leben lang auf der Suche und fragen sich, ob sie hier richtig sind.

Wir finden Menschen unter uns, die ganz viel mitarbeiten, die regelmäßige Dienste übernehmen, ohne die die Gemeindearbeit gar nicht funktionieren würde. Andere machen scheinbar nichts oder nicht viel. Aber vielleicht machen sie etwas, das wir nicht so einfach sehen. Sie sind für Menschen in unserer Gemeinde da, stehen ihnen bei oder beten für sie!

In dem Gleichnis von Jesus geht es offensichtlich nicht darum, ob jemand eine oder zehn Stunden im Weinberg gearbeitet hat. Es geht nicht nach Leistung, sondern darum, dass wir dabei sind! Jesus sagte zu allen: Ihr könnt in meinen Weinberg gehen, und sie sind gegangen.

Im Reich Gottes sind die Maßstäbe andere als die, die wir kennen und gewohnt sind. Es geht nach der Güte Gottes. Gott schenkt uns das Himmelreich, das ewige Leben. Wir dürfen zu ihm gehören, wenn wir in seinen Weinberg gehen und dabei sind. Niemand kann sich das ewige Leben verdienen. Es ist ein Geschenk. 

Liebe Gemeinde, wir sind von Gott beschenkt. Das ist doch der tiefe Grund dafür, dass wir fröhlich im Weinberg des Herrn arbeiten, auch wenn es mal lange geht und mühsam ist. Der Weinbergbesitzer, Gott, geht immer wieder zum Marktplatz und sieht nach, ob da noch jemand steht. Das ist eigentlich doch wie ein Wunder. Er ruft uns, er lädt uns ein, er will uns bei sich haben. Und wenn wir dann mitgehen, wird wahr, was der Prophet Zephanja einmal so sagt: „Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein.“

Amen
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