Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis, 6. August 2023 (Velber / Badenstedt)

Sun, 06 Aug 2023 16:57:19 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

1. Könige 3,5-15 aus der Basis-Bibel

5 In Gibeon erschien der HERR Salomo nachts im Traum. Gott sagte ihm: »Was immer du bittest, will ich dir geben.«
6 Salomo antwortete: »Deinem Knecht, meinem Vater David, hast du immer viel Gutes getan. Denn er war treu und gerecht, und sein Herz war stets auf dich gerichtet. Er hat sein ganzes Leben nach dir ausgerichtet, und du hast ihm die Treue gehalten. Du hast ihm einen Sohn gegeben, der heute auf seinem Thron sitzt.
7 Ja, so ist es jetzt, HERR, mein Gott! Du selbst hast deinen Knecht zum König gemacht anstelle von meinem Vater David. Dabei bin ich doch noch ein junger Mann und weiß nicht aus noch ein. 8 Als dein Knecht stehe ich mitten in deinem Volk, das du erwählt hast. Es ist ein großes Volk, so groß, dass es weder geschätzt noch gezählt werden kann.
9 Gib mir, deinem Knecht, ein hörendes Herz. Nur so kann ich dein Volk richten und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Wie sonst könnte man Recht schaffen in deinem Volk, das doch so bedeutend ist?«
10 Es gefiel dem Herrn gut, dass Salomo genau darum gebeten hatte.
11 Gott sagte ihm: »Du hast weder um ein langes Leben gebeten noch um Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Stattdessen hast du um Einsicht gebeten, um auf mich zu hören. Nur so kannst du gerechte Urteile fällen.
12 Darum werde ich deine Bitte erfüllen: Hiermit gebe ich dir ein weises und verständiges Herz. So wie du ist niemand vor dir gewesen, und nach dir wird es keinen geben wie dich.
13 Ich gebe dir sogar etwas, worum du nicht gebeten hast: Reichtum und Ehre. Kein anderer König wird sich mit dir vergleichen können, solange du lebst.
14 Ich werde dir ein langes Leben schenken. Richte dein ganzes Leben nach mir aus, wie dein Vater David es getan hat. Befolge also meine Gesetze und Gebote!«
15 Da erwachte Salomo und merkte: Er hatte geträumt. Er ging nach Jerusalem zurück, trat vor die Bundeslade des Herrn und brachte Brandopfer und Schlachtopfer dar. Danach veranstaltete er ein Festmahl und lud dazu alle seine Beamten ein.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext für den heutigen Sonntag gelesen hatte, dachte ich: meine Güte, der König Salomo, ein Sohn des berühmten Königs David - schön für ihn, dass er sich irgendwann vor 3000 Jahren im Traum mit Gott unterhalten hat - aber was bedeutet das für uns? Er war für das Volk Israel ein sehr wichtiger König, zweifellos. Er hat z.B. den Tempel in Jerusalem gebaut, der das religiöse Zentrum für Israel wurde. 

Aber jetzt sind wir in einer ganz anderen Welt, in Velber / in Badenstedt, nicht im Tempel in Jerusalem, sondern in einem christlichen Gotteshaus. 

Trotzdem hat dieser König unsere Gedankenwelt mitgeprägt. Ihm wurden große Weisheit und große Gerechtigkeit nachgesagt. Es gibt ja die Redewendung „das ist ein salomonisches Urteil“. Und wir kennen das biblische Buch „Die Sprüche Salomos“. Das ist eine Sammlung von weisheitlichen Sprüchen, die mit seinem Namen verbunden wurde, eben weil er als so weise und klug galt.

Wir verbinden mit seinem Namen auch Reichtum und königlichen Prunk.  Vielleicht ist Ihnen Paul Gerhardts Sommerlied »Geh aus, mein Herz, und suche Freud« eingefallen. Dort heißt es: »Narzissus und die  Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide«.

Ich habe dann mal ein Lexikon aufgeschlagen und erfahren, dass er auch seine Schattenseiten hatte und immer wieder kritisiert wurde.

Wie auch immer: Ich dachte, es ist vielleicht doch mal ganz schön, einem als vorbildlich geltenden König zu begegnen. 

Wobei es mir gar nicht darum geht, dass es nun ein König ist. Das ist für mich erst einmal ein Mensch, der eine große Verantwortung hat. Und darin sind wir alle Königinnen und Könige, denn wir alle haben eine Verantwortung. Das gilt gleichermaßen für Eltern, die für ihre Familie verantwortlich sind  - und umgekehrt - oder für mächtige Menschen, die ein Kriegsheer befehligen. Verantwortlich ist die Trainerin der Nationalmannschaft genau so wie  jede einzelne Spielerin oder derjenige, der die Trikots wäscht. Es ist der Küster, der die Tür der Kirche rechtzeitig aufschließt und die Kerzen anzündet, die Organistin, die Lieder heraussucht, der Pastor oder die Pastorin, die sich hoffentlich ordentlich vorbereiten. Wenn wir gut zusammenleben wollen, dann sind wir alle darauf angewiesen, dass jede und jeder ihre und seine Verantwortung wahrnimmt.

Denn es geht in unserem Text um Verantwortung. Um Verantwortung am Beispiel des Königs Salomo, weil man an so einem König besonders gut zeigen kann, was es bedeutet, Verantwortung gut und richtig wahrzunehmen.

Schauen wir in unseren Text:

Gott erschien Salomo nachts im Traum und sagt zu ihm: „Was immer du bittest, will ich dir geben.“ Wunderbar, wie im Märchen, du hast drei Wünsche frei oder so ... 

Was wünscht sich nun so ein König, was hilft ihm weiter? Macht, ein großes Heer, den Tod seiner Feinde, Reichtum, Ruhm und Ehre und ein langes Leben – so was in der Richtung.

Aber Salomo reagiert anders. Er ordnet sich erst einmal zwischen Himmel und Erde ein und beschreibt sein Verhältnis zu  Gott dem Herrn. Er lobt Gott – „du hast meinem Vater David immer viel Gutes getan / du hast ihm die Treue gehalten“ und er vergißt nicht zu erwähnen, warum das so war, denn David „hat sein ganzes Leben nach dir – also nach Gott – ausgerichtet.

Salomo sucht sozusagen seine Linie als mächtiger Mensch. Er ist zwar jetzt selbst König, hat die Macht von seinem Vater David übernommen. Aber das Entscheidende ist für ihn, Gott die Treue zu halten und sich nicht an die Stelle Gottes zu setzen. Daraus ergibt sich alles Andere.

Zweitens fällt auf: Trotz des berühmten Vaters, den er zum Vorbild hat, überschätzt sich Salomo nicht. Er ist zwar jetzt König, sagt aber zu Gott: „Dabei bin ich doch noch ein junger Mann und weiß nicht aus noch ein.“ Mächtige Menschen, auch und gerade junge, gehen ja meist einen anderen Weg und plustern sich auf und meinen, ihre Macht und Stärke vor aller Welt zeigen zu müssen. „und weiß nicht aus noch ein“ sagte Salomon. Eine weise Einsicht. Er muss erst noch Erfahrungen machen, mit Gott und seinen Mitmenschen. Er versucht, offen zu bleiben, offen für die Hilfe Gottes. Ganz anders als die, die schon immer alles besser wissen – wir kennen sie zur Genüge. 

Und dann sagt Salomo den Satz, der ihn mir sympathisch macht, den Satz, der bis heute Bestand hat und der die Grundlage für alle Formen von Verantwortung ist, egal an welcher Stelle sie wahrgenommen wird:  „Gib mir, deinem Knecht, ein hörendes Herz“  Und er fährt fort: Nur so kann ich dein Volk richten und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Wie sonst könnte man Recht schaffen in deinem Volk, das doch so bedeutend ist?«

Gib mir ein hörendes Herz!  Wir dürfen das Herz an dieser Stelle nicht in erster Linie als Ort von Gefühlen verstehen. In der hebräischen Vorstellung ist das Herz der Ort von Besonnenheit und Reflexion, der Sitze des Verstandes und Willens. Es geht um ein klares Denken, um reife Entscheidungen, um die Unterscheidung von Gut und Böse.

Ein hörendes Herz ist offen, es hört auf Gott und die Situation und erspürt, was gerade geboten ist, und erkennt, was für den nächsten Schritt nötig ist. Salomo bittet darum, alles richtig verstehen zu können und so Entscheidungen im Einklang mit Gottes Willen zu treffen. 

Gib mir ein hörendes Herz!

Gott nun findet ganz super, was sich Salomo wünscht! Er sagt zu ihm: »Du hast weder um ein langes Leben gebeten noch um Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Stattdessen hast du um Einsicht gebeten, um auf mich zu hören. Nur so kannst du gerechte Urteile fällen.“

Dann kommt es, wie es kommen muss: Gott sagt, dass er ihm seine Bitte erfüllen und ihm ein weises und verständiges Herz geben wird. Und weil er gerade so begeistert ist, will er ihm auch noch ein langes Leben, Reichtum und Ehre geben. Alles, versteht sich, unter der Bedingung: „Richte dein ganzes Leben nach mir aus, wie dein Vater David es getan hat. Befolge also meine Gesetze und Gebote!«

Liebe Gemeinde, dass die Mächtigen der Welt hörende Herzen bräuchten – das ist klar. Ich finde aber, dass diese Bitte des Salomo für uns alle hilfreich ist. Gib mir ein hörendes Herz – für das, was du, Gott, für uns getan hast und tust, für unsere Mitmenschen, für uns selbst. 

Ein hörendes Herz ist offen, es ist weise und verständig. Vater im Himmel, schenke uns hörende Herzen. 

Und  der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 9. Sonntag n. Trinitatis, 9. Juli 2023, in Velber und Badenstedt
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