Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias, 2. Februar 2025

Tue, 04 Feb 2025 20:19:56 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

Predigttext: 2. Mose 3,1–15
3 1 Mose hütete die Herde seines Schwiegervaters Jitro.
Jitro war der Priester von Midian.
Einmal trieb Mose die Herde über die Steppe hinaus.
So kam er an den Berg Gottes, den Horeb.
2 Da erschien ihm ein Engel des HERRN:
Eine Flamme schlug aus einem Dornbusch.
Mose bemerkte, dass der Dornbusch in Flammen stand
und trotzdem nicht verbrannte.
3 Mose sagte sich: »Ich will hingehen
und mir diese auffallende Erscheinung ansehen.
Warum verbrennt der Dornbusch nicht?«
4 Der HERR sah, dass Mose vom Weg abbog
und sich die Erscheinung ansehen wollte.
Da rief ihn Gott mitten aus dem Dornbusch:
»Mose, Mose!«
Er antwortete: »Hier bin ich!«
5 Gott sprach: »Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus!
Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.«
6 Weiter sprach er: »Ich bin der Gott deiner Väter,
der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«
Da verhüllte Mose sein Gesicht.
Er hatte Angst davor, Gott zu sehen.
7 Der HERR sprach:
»Ich habe die Not meines Volks in Ägypten gesehen.
Die Klage über ihre Unterdrücker habe ich gehört.
Ich weiß, was sie erdulden müssen.
8 Deshalb bin ich herabgekommen,
um sie aus der Gewalt der Ägypter zu befreien.
Ich will mein Volk aus diesem Land führen.
Es soll in ein gutes und weites Land kommen,
in dem Milch und Honig fließen.
Es ist das Land der Kanaaniter und Hetiter,
der Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9 Darum sei gewiss:
Die Klage der Israeliten ist zu mir gedrungen.
Ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie quälen.
10 Nun geh! Ich sende dich zum Pharao.
Du sollst mein Volk, die Israeliten,
aus Ägypten führen.«
((11 Mose sagte zu Gott:
»Wer bin ich denn, dass ich einfach zum Pharao gehe?
Und wie soll ich die Israeliten aus Ägypten führen?«
12 Gott antwortete: »Ich werde bei dir sein!
Daran wirst du sehen, dass ich dich gesandt habe:
Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast,
sollt ihr mir an diesem Berg dienen.«))
13 Mose antwortete Gott:
»Ich werde zu den Israeliten gehen und ihnen sagen:
›Der Gott eurer Väter schickt mich zu euch.‹
Was ist, wenn sie mich fragen: ›Wie heißt er?‹
Was soll ich ihnen dann sagen?«
14 Da sprach Gott zu Mose:
»›Ich werde sein, der ich sein werde.‹
Das sollst du den Israeliten sagen:
Der ›Ich-werde-sein‹ hat mich zu euch geschickt.«
15 Weiter sprach Gott zu Mose:
»Das sollst du den Israeliten sagen:
›Der HERR hat mich zu euch geschickt,
der Gott eurer Väter Abraham, Isaak und Jakob.‹
So heiße ich schon immer, und so will ich
bei all ihren Nachkommen genannt werden.
 
Liebe Gemeinde,
es gibt schöne Begegnungen, bei denen wir uns in den Arm nehmen, links ein Küßchen, rechts ein Küßchen, wie geht’s, lange nicht gesehen …..
Und es gibt Begegnungen, denen wir lieber aus dem Weg gehen möchten. Weil es Streit gegeben hat, weil man keine Zeit hat in dem Moment, weil man so tief in seinen eigenen Gedanken steckt..

Was hat wohl Mose gedacht, als Gott ihm begegnet ist? Das war eine völlig unerwartete und ganz andere Begegnung als er sie sich jemals vorstellen konnte. Mose sieht, dass ein Dornbusch in Flammen steht. Das kommt manchmal vor in der Hitze der Wüste. Aber: komischerweise verbrennt er nicht. Er will wissen, was es mit diesem Busch auf sich hat und geht hin. Da ruft eine Stimme mitten aus dem Dornbusch: „Mose, Mose!“. 

Mose kann niemanden erkennen. Er sieht nur den brennenden Busch. Warum soll ihn gerade hier jemand rufen? Ihn – der doch niemand Besonderes war, ein Nobody, ein Kleinviehhirte und Lohnarbeiter?? Ihn, der sogar einmal einen Ägypter totgeschlagen hat, weil der einen aus dem Volk Moses geschlagen hatte??

Aber diese Stimme zog ihn so an, dass er sich ihr nicht entziehen konnte und wie angewurzelt stehen blieb. Mose hörte sich selbst sagen: „Hier bin ich!“.
Er fühlte eine große Macht und wusste doch nicht, wer ihn da rief?
Dann sagte die Stimme, „Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus! Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.“ 
Spätestens da muss es ihm gedämmert haben! Heilig ist etwas, das zu Gott gehört und mit ihm in Verbindung steht.
Nun gab es wenigstens ein paar aufklärende Infos von der Stimme: »Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.« 

Da erschrak Mose zutiefst. Denn er glaubte fest: wer Gott direkt begegnet, ist in Gefahr. Wer ihn ansieht, kann sterben. Das wollte er selbstverständlich nicht und verhüllte deshalb sein Gesicht. Keine Umarmung, keine Küsschen …. Er hatte Angst davor, Gott zu sehen.

Doch die Stimme redete weiter: Gott erzählte ihm, dass er die Not seines Volkes gesehen hat. Und dann sagte er: „Deshalb bin ich herabgekommen, um sie aus der Gewalt der Ägypter zu befreien. Ich will mein Volk aus diesem Land führen. Es soll in ein gutes und weites Land kommen, in dem Milch und Honig fließen.“
Und dann kam es: „Nun geh! Ich sende dich zum Pharao. Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führen.“

Da ging es wie ein Ruck durch Mose – ER? Er soll zu dem mächtigen König der Ägypter gehen? Moment mal, da muss ein schwerwiegender Irrtum vorliegen! Jetzt gilt es, schnell zu reagieren: »Wer bin ich denn, dass ich einfach zum Pharao gehe?, sagte er geistesgegenwärtig, denn er war, wie gesagt, ein einfacher Hirte. „Und wie soll ich die Israeliten aus Ägypten führen?«

Gott antwortete: „Ich werde bei dir sein!“

Mose merkte, dass er nicht gegen ihn ankommen konnte. Er startete einen letzten Versuch: »Ich werde zu den Israeliten gehen und ihnen sagen: ›Der Gott eurer Väter schickt mich zu euch.‹ Was ist, wenn sie mich fragen: ›Wie heißt er?‹ Was soll ich ihnen dann sagen?« 14 Da sprach Gott zu Mose: »›Ich werde sein, der ich sein werde.‹ Das sollst du den Israeliten sagen: Der ›Ich-werde-sein‹ hat mich zu euch geschickt.«

Es ging noch ein wenig hin und her zwischen Gott und Mose. Das Ende der Geschichte kennen wir. Mose führt das Volk aus der Sklaverei in das gelobte Land.

Liebe Gemeinde,
Was für eine Begegnung! 
Zunächst mal der Ort, wo sie stattfindet. Ein Rabbi wurde gefragt: „Warum wählte Gott einen Dornbusch, um mit Mose aus ihm zu reden?“ Da antwortete der Rabbi: „Gott wählte einen ärmlichen Dornbusch, um dich zu belehren, dass es auf Erden keinen Platz gibt, an dem Gott nicht anwesend sein könnte. Noch nicht einmal ein Dornbusch in der Wüste ist zu gering“. 

Eine andere jüdische Tradition erzählt: „Gott wählte den Dornbusch als Ort aus dem er spricht, weil er voller Dornen und Stacheln war, denn Gott sah Israels Bedrängnis. Er nahm Anteil an ihrer Not.“

Müssen wir da nicht an Jesus denken, der eine Dornenkrone aufgesetzt bekam? Im Matthäusevangelium steht es: „Sie flochten einen Kranz aus Dornen. Den setzten sie ihm auf.“ Und dann verspotteten sie ihn. Jesus – unseren Freund, unseren Bruder in den Dornen, Jesus, der unsere Not teilen will. 

In einen Dornbusch wirft Gott sein Feuer. Und der verbrennt nicht – das erinnert auch an das Pfingstwunder, wo Gottes Geist „in Zungen wie von Feuer“ auf die Jünger herabkommt. So steht es wörtlich in der Pfingstgeschichte: „in Zungen wie von Feuer“. Aber die Jünger nehmen davon keinen Schaden, im Gegenteil! Sie gehen gestärkt und aufgerichtet aus dieser Begegnung mit Gott hervor! Sie haben erfahren: er ist da, an ihrer Seite, in aller Bedrängnis wird er sie nie verlassen. Und sie werden seine Apostel sein.

Und nun schauen wir auf Mose. Am Anfang habe ich schon gesagt: er war doch niemand Besonderes – mindestens nicht im positiven Sinne! Eher im Gegenteil – er hatte einen Ägypter erschlagen! Aber trotzdem ruft Gott ihn. Wir können ihn als Beispiel nehmen: als Beispiel dafür, dass Gott auch uns nahe sein will – uns allen, die wir vielleicht auch von uns denken, wir sind doch nichts besonderes?! Die wir vielleicht auch eine Schuld mit uns herumschleppen oder doch ein Schuldgefühl? So bestätigt es auch Jesus, der Gott mit uns!       

Mose antwortet Gott: „Hier bin ich“ -- Heute sind wir hier. Und erleben:
In die Ungewissheit unserer Zukunft, in die Sorgen um unsere Erde, in die Angst vor Krieg und Gewalt ruft Gott seinen Namen, seine Zusage auch uns zu: Ich bin da!

In unserer Verantwortung für die Menschen, die aus purer Not zu uns flüchten, in die Freude über die Hilfe, die wir geben können und in den Schmerz über das, was wir nicht hinbekommen, ruft Gott seinen Namen, seine Zusage auch uns zu: Ich bin da!

Und wenn einer nicht weiter weiß, keinen Mut mehr hat und keine Kraft mehr, und ein anderer sagt zu ihm: „Ich bleibe bei dir, ich lasse dich nicht im Stich!“ dann handelt er wie Gott.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus,
Amen. 

Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 2.2.2025 in der Martin-Luther-Kirchengemeinde Hannover-Ahlem
Bestätigen

Bist du sicher?