Predigt in der Christnacht 2023

Mon, 08 Jan 2024 13:34:11 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

24.12.2023, 23 Uhr - Luk 2,1-20

Liebe Gemeinde,

dies ist die Botschaft der heiligen Nacht: Gott hat seinen Himmel verlassen und ist zu uns auf die Erde gekommen.

Geht das überhaupt? Dass Gott seinen Himmel verlässt? Er ist der Schöpfer der Welt, der Herr über Himmel und Erde, über Leben und Tod. Er steht über allem. Seine Herrlichkeit ist für uns unvorstellbar, er wohnt in einem Licht, da niemand hinkommen kann - so heißt es in der Bibel.

Ab und zu hat er sich bemerkbar gemacht und zu seinen Menschen gesprochen. Durch den Mund von Propheten, durch Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Hosea und wie sie alle heißen. Die haben in seinem Namen zu uns geredet. Wir können heute noch lesen und hören, was sie zu sagen haben. Jesaja zum Beispiel entwirft die wunderbare Vision eines Friedensreiches (Jes 11):

„Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.“

Da hat Gott aus dem Himmel zu uns gesprochen und uns mitgeteilt, was er will. Umfassenden Frieden in seiner ganzen Schöpfung.

Aber wir sehen, so weit ist es noch nicht. Bis jetzt jedenfalls - so muss es uns vorkommen - hat Er seinen Himmel nicht verlassen. Das hätten wir doch gemerkt?! Da hätte schon mehr passieren müssen!! Wo sind denn seine ganzen Heerscharen? Wo ist seine ganze Macht? Wo zeigt er sich als Herrscher der Welt, der den endgültigen Frieden bringt? Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt dafür! Denn es ist ganz offenkundig, dass wir Menschen es nicht schaffen, und die Erde ist in Gefahr!!

Und doch: Die Botschaft gilt: Gott HAT seinen Himmel verlassen, aber anders, als viele Menschen das erwartet haben. Wir haben eben die Geschichte gehört, wie er das gemacht hat.

Er hat sich Maria und Joseph ausgesucht. Keine mächtigen Menschen, einfache Menschen. Niemand konnte ahnen, dass die beiden den Sohn Gottes zur Welt bringen werden. Es war eine ganz normale Geburt in ärmlichen Verhältnissen: „Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Klammer auf: als wenn eine ganz normale Geburt nicht an sich schon ein Wunder wäre! Klammer zu.

Gott hat seinen Himmel verlassen ohne allzu großes Drumherum. Es gab keinen Triumphzug seiner Engel durch das ganze Land, mit dem Kind auf einem Thron. 

Ein wenig Aufhebens hat er dann doch davon gemacht. Des Herrn Engel, sozusagen sein Sonderbotschafter, erschien. Aber nicht in der Stadt Jerusalem und auch nicht bei Maria und Joseph und dem Kind in dem Stall, sondern bei Hirten auf dem Felde, die ihrer Arbeit nachgingen. 

Immerhin: „Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie“, es wurde hell, eine Lichterscheinung, so dass die Hirten dann doch Angst bekamen.

Und was macht der Engel Gottes? Er redet! Und was machen die himmlischen Heerscharen, die dann auftreten? Sie reden! 

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Gott verlässt seinen Himmel und teilt uns mit, dass in dem Kind Jesus der Heiland geboren ist, der Retter der Welt. Gott verlässt seinen Himmel, um ein Mensch zu werden. 

Aber das ist nicht alles. Entscheidend ist, was dadurch in Gang gesetzt wurde. Entscheidend ist, dass die Hirten sagen: „Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ Die Hirten werden durch die Botschaft des Engels auf den Weg geschickt. Sie sehen Maria, Joseph und das Kind und „breiteten das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war.“ Sie geben die Botschaft weiter, die uns hier und heute in der Ahlemer Kirche erreicht.

Denn Gott hat seinen Himmel verlassen, um auch in uns Mensch zu werden. In dir und in mir. Nicht mit Macht und Gewalt, sondern mit Worten der Hoffnung: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Durch das Kind in der Krippe zieht Gott in uns, in unsere Herzen ein und will dort wohnen. Dafür hat der Schöpfer der Welt den Himmel verlassen. Nur so konnte und kann er uns so nahe kommen, dass wir sagen dürfen: Wir sind Kinder Gottes.

Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron,
der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn,
2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein,
er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein.

Amen. 

Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 24.12.2023 um 23.00 Uhr in Ahlem 
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