Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias, 12. Januar 2025

Tue, 14 Jan 2025 15:35:07 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

Matthäus 2,1-12 (Predigttext Epiphanias)

Die Sterndeuter aus dem Osten
2 1 Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren.
 Zu dieser Zeit war Herodes König.
 Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.
 2 Sie fragten: »Wo ist der neugeborene König der Juden?
 Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen
 und sind gekommen, um ihn anzubeten.«
 3 Als König Herodes das hörte,
 erschrak er und mit ihm alle in Jerusalem.
 4 Er rief zu sich alle führenden Priester
 und Schriftgelehrten des Volkes.
 Er fragte sie: »Wo soll der Christus geboren werden?«
 5 Sie antworteten ihm: »In Betlehem in Judäa!
 Denn im Buch des Propheten steht:
 6 ›Du, Betlehem im Land Juda,
 du bist keineswegs die unbedeutendste
 unter den Städten in Juda.
 Denn aus dir wird der Herrscher kommen,
 der mein Volk Israel wie ein Hirte führen soll.‹«
 7 Später rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich.
 Er erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit,
 wann der Stern erschienen war.
 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte:
 »Geht und sucht überall nach dem Kind!
 Wenn ihr es findet, gebt mir Bescheid!
 Dann will auch ich kommen und es anbeten.«
 9 Nachdem die Sterndeuter den König gehört hatten,
 machten sie sich auf den Weg.
 Derselbe Stern, den sie im Osten gesehen hatten,
 ging vor ihnen her.
 Dann blieb er stehen,
 genau über der Stelle, wo das Kind war.
 10 Als sie den Stern sahen,
 waren sie außer sich vor Freude.
 11 Sie gingen in das Haus
 und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter.
 Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an.
 Dann holten sie ihre Schätze hervor
 und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
 12 Gott befahl ihnen im Traum:
 »Geht nicht wieder zu Herodes!«
 Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg
 in ihr Land zurück.
 
Liebe Gemeinde,

der Baum in unserer Kirche ist weg! Das sehen wir hier im Gemeindesaal zwar nicht, Sie dürfen mir das aber glauben. Fleißige Menschen haben ihn abgeschmückt und rausgebracht. Steht Ihr Baum noch? Oder ist er auch schon auf dem Sammelplatz oder auf dem Komposthaufen? Es gibt ja verschiedene Traditionen, wie lang der Weihnachtsbaum in der guten Stube stehen bleibt …Der Baum ist weg, aber Weihnachten ist hoffentlich noch in unseren Herzen! 

Einige orthodoxe Kirchen rechnen das Weihnachtsfest ja nach einem einen anderen Kalender aus als wir und haben erst am 6. Januar Weihnachten gefeiert. Da ist es noch nicht so lange her wie bei uns. 

Der 6. Januar spielt aber auch in der evangelischen Kirche eine Rolle, als Epiphaniasfest. Epiphanias heißt Erscheinung, erschienen ist Jesus Christus und in ihm unser Gott. 

Und, das verbindet uns mit der katholischen Kirche: Oft bezeichnen wir diesen Tag auch als „Heilige Drei Könige“, weil an ihm die Geschichte von den drei Königen oder den drei Weisen aus dem Morgenland im Mittelpunkt steht. Die, wie ich finde, schöne alte Tradition von den Sternsingern kommt daher. 

Was waren die Heiligen Drei Könige für Leute? Wenn man genau hinschaut, dann merkt man, dass beim Evangelisten Matthäus von Königen überhaupt nicht die Rede ist! Es geht vielmehr um Sterndeuter. Erst im Laufe der Zeit wurden aus den Sterndeutern Könige, weil Matthäus schreibt: „Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm – also dem Kind - Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ So kostbare Geschenke konnten nur Könige machen. Und weil Matthäus von drei Geschenken berichtet, wurden es im Laufe der Zeit drei Könige. Bei Matthäus selbst steht gar nicht, wie viele das waren ….

Wir sehen: Weihnachten ist ein lebendiges Fest mit vielen Namen und Traditionen, die sich gebildet haben. Es strahlt bis heute - wie der Stern, der die Weisen aus dem Morgenland zum Krippenkind geführt hat. Und es lädt uns ein, es weiter zu träumen, zu erzählen, zu denken, zu singen, zu feiern. Zwei Beispiele dafür aus unserer Gemeinde habe ich mitgebracht: 

Das erste Beispiel: In dem Weihnachtsbild, das mein Bruder Thomas gemalt hat und das Sie ja auch mit dem Gemeindebrief bekommen haben, sehen wir diese Szene: die Könige sind in Bethlehem angekommen. Aber: Einer der Könige, der linke, mit einer Krone auf dem Kopf, ist eine Frau, wenn ich das richtig sehe. Richtig so! Denn diese Freiheit hat der Künstler: in der Geschichte zu entdecken, was bis jetzt kaum zur Sprache gekommen ist: dass nämlich die Frauen den Männern an Weisheit in nichts nachstehen! Und wer weiß denn, ob nicht auch eine Frau dabei gewesen ist? 

Das zweite Beispiel: in unserer Gemeinde gibt es die schöne Tradition des Schwarz-Licht-Theaters. Am letzten heiligen Abend haben ein paar Jugendliche in unserer Kirche ein Stück gespielt: „Der kleine Trommler sucht das Weihnachtswunder“. Das haben sie sich selbst ausgedacht! Waren Sie vielleicht um halb fünf in unserer Kirche dabei? Ein kleiner Junge sucht das Weihnachtswunder, weil er beim Weihnachtswunder auf seiner Trommel spielen will. Er klopft an verschiedene Türen, bekommt aber keine zufriedenstellende Antwort. Er gibt aber nicht auf! An der letzten Tür heißt es „Schau mal dort vorne in dem Stall nach, dort, wo die anderen Menschen sind“. Ein Engel kommt dazu und schubst ihn in die Richtung der Krippe.

Mein Bruder, der das Bild gemalt hat, wusste gar nichts von dieser Geschichte. Trotzdem kommt auch in seinem Bild der kleine Trommler vor! Der Weihnachten sucht. Weil er das Kind mit seiner Trommel in sein Leben einladen will. Ich sehe ihn in dem Jungen mit der roten Weste, der das weiße Pferd am Zügel hält, in der oberen Bildhälfte, links vom Josef.

Das Bild und auch die Jugendlichen mit ihrem Schwarzlicht-Theaterstück sagen uns: träumt euch in die alte, vertraute Geschichte hinein und erlebt sie neu mit euren Bildern und Phantasien:

Ich mache das und stelle mir nun vor, dass der kleine Trommler eine Weile bei Maria und Josef geblieben ist. Die beiden mochten sein Trommelspiel, es war beruhigend, fast leise, wie der zarte Herzschlag ihres neugeborenen Kindes. 

Da plötzlich wurden die Tiere in dem Stall mitten in der Nacht unruhig. Er wachte auf und ging raus. Er wollte nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Da sah er, dass genau über dem Stall ein leuchtender Stern am Himmel zu sehen war. Alles erschien in einem besonderen Licht. Während er noch auf den Stern schaute, kamen Maria und Joseph aus dem Stall. Auch sie waren aufgewacht und staunten. Sie überlegten, was dieser Stern bedeuten könnte.

Da kamen aus dem Dunkel der Nacht einige Gestalten auf sie zu. Um sie herum Begleiterinnen und Begleiter. Ich male mir das aus: wie Maria und Joseph und der kleine Trommler erstarrten. Was wollten diese Leute von ihnen? Sie hatten doch nichts. Oder doch: Sie hatten ein kleines Kind, von dem es hieß, dass er ein König werden sollte. Wollten die Fremden ihnen das Kind wegnehmen?

Sie schauten die Fremden genau an. Sie trugen prächtige Gewänder! Sie sehen aus wie Könige, sagte Maria zu Joseph. Sie schauten in die Gesichter der Fremden. Nein, die wollten sicherlich nichts Böses. Ganz im Gegenteil: Sie strahlten vor Freude! Wer sich so unbändig freut, dachten sie, kann uns nur Gutes bringen. Dann erzählten die Fremden, wer sie sind. Sterndeuter, die von weit her gekommen sind, gelehrte Leute, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuten und zukünftige Ereignisse vorhersagen. Sie erzählten, dass der König Herodes sie ausgefragt hat. Aber sie trauten ihm nicht, sie ahnten, dass er Böses will. Sie sagten, dass sie einen besonderen Stern gesehen haben und dem gefolgt sind und jetzt sind sie da.

Nachdem sie ihre Geschichte erzählt hatten, knieten sie vor dem Kind nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Was wohl der Junge mit seiner Trommel gedacht hat? Wo ist das Weihnachtswunder – mit dieser Frage war er von Tür zu Tür gezogen. In der Krippe hatte er das Weihnachtswunder gesehen. Aber vielleicht hatte er noch ein wenig Zweifel, ob er wirklich schon am Ziel war. Ob er DAS Wunder schlechthin, das Wunder aller Wunder erlebt hat? Aber spätestens, als die Sterndeuter niederknieten und ihre Geschenke vor dem Kind ausbreiteten, war er sich sicher: Das ist es, das Weihnachtswunder, hier ist etwas ganz Besonderes geschehen, hier ist Gott im Spiel. 

Als die Sterndeuter weg waren, packte er seine Trommel, verabschiedete sich von Maria und Joseph und dem Kind und den Tieren und ging weiter. 

Er ging weiter und kam in unsere Gegenwart. Und ihn blendeten die vielen Sterne, die nicht echt waren – Sterne, die Menschen aufgehängt und angezündet hatten, um auf sich aufmerksam zu machen, um ihre Macht zu demonstrieren. Und er hörte die Trommelfeuer der Gewehre und er sah, wie sich manche verneigten vor denen, die sie für ihre Könige hielten, weil sie so reich waren, weil sie so männlich auftraten, weil sie so viel Gewalt ausüben konnten.                    

Da schüttelte er den Kopf, denn er hatte den wahren König der Welt gesehen. Das Weihnachtswunder blieb in seinem Herzen. Und es schützte und stärkte ihn sein ganzes Lebens lang - zu wissen, wo Gerechtigkeit und Frieden, Sicherheit und Vertrauen zuhause sind. 

Liebe Gemeinde, 

Vielleicht sind sie Anfang der Woche den Sternsingern begegnet, die von Haus zu Haus ziehen. Vielleicht war so einer wie Hans dabei und hat über die Haustür die neue Jahreszahl und die drei Buchstaben C-M-B für „Christus mansionem benedicat“ geschrieben. Christus mansionem benedicat: Christus, segne dieses Haus.

Der Baum ist weg, die Krippe ist in einer Kiste verstaut. Aber die Geschichte geht weiter: Gott ist der Welt erschienen. Wir gehen auf seinen Spuren und machen uns auf den Weg.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr!

Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 12.1.2025 in Ahlem
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