Johannes 4,5-14
Jesus musste das Gebiet durchqueren, in dem die Samariter lebten.
5 Unterwegs kam er nach Sychar, einem Ort in Samarien.
In seiner Nähe liegt das Grundstück,
das Jakob einst seinem Sohn Josef vererbt hatte.
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von dem langen Weg
und setzte sich an den Brunnen.
Es war um die sechste Stunde.
7 Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen.
Jesus bat sie: »Gib mir etwas zu trinken.«
8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
9 Da sagte die Samariterin zu ihm:
»Du bist ein Jude, und ich bin eine Samariterin.
Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten?«
Denn die Juden vermeiden jeden Umgang mit Samaritern.
10 Jesus antwortete: »Wenn du wüsstest,
was für ein Geschenk Gott den Menschen macht
und wer dich hier bittet: ›Gib mir etwas zu trinken‹! –
dann würdest du ihn bitten,
und er würde dir lebendiges Wasser geben!«
11 Die Frau erwiderte:
»Herr, du hast nichts, um Wasser zu schöpfen,
und der Brunnen ist tief.
Woher hast du denn dieses lebendige Wasser?
12 Bist du etwa mehr als unser Stammvater Jakob?
Er hat uns diesen Brunnen hinterlassen.
Er selbst hat daraus getrunken,
ebenso seine Söhne und sein Vieh.«
13 Darauf antwortete Jesus:
»Wer von diesem Wasser hier trinkt,
wird wieder Durst bekommen.
14 Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe,
wird nie wieder Durst haben.
Denn das Wasser, das ich ihm geben werde,
wird in ihm zu einer Quelle werden:
Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.«
Liebe Gemeinde,
mir dröhnt noch der Kopf von dem ganzen Theater um Donald Trump und seinen Leuten in den USA.
Was für ein Geschrei war das und ist das immer noch! Denken Sie nur an den unsäglichen Auftritt von Elon Musk. Können die Politiker nicht mehr normal mit den Menschen reden? Und sie reden ja überhaupt nicht von Lösungen und den Wegen zur Verbesserung der Lage. Sie zeigen nur: Wir haben die Macht! Wir können nun diktieren, wie es weitergehen wird.
Schlimm finde ich vor allem diese Unbarmherzigkeit, die hier zu Tage tritt. Alles Schwache, alles Geringe wird niedergemacht. Nur die Stärke zählt!
Die Szene aus unserem Text, die Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin, führt genau in die andere Richtung. Zwischen den Samaritern und den Juden gab es eine Rivalität. Trotzdem spricht Jesus die Frau an und bittet sie um Wasser, da er selbst nichts dabei hat, womit er Wasser aus dem Brunnen schöpfen kann.
Sie kommen ins Gespräch. Ein Wort ergibt das andere. Jesus gibt sich zu erkennen:
„Darauf antwortete Jesus: »Wer von diesem Wasser hier trinkt, wird wieder Durst bekommen. 14 Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden: Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.«
Auch hier geht es um Macht und Stärke. Jesus behauptet ja, dass er tolle Dinge in Menschen bewirken kann. Sie werden zu einer Quelle, sie bekommen das ewige Leben! Das hat noch kein Politiker geschafft …
Jesus braucht kein Geschrei, muss seine Macht nicht demonstrieren, er stülpt der Frau nichts über, er überzeugt im Gespräch und in der Begegnung. Er geht auf die Fremde zu trotz der Feindschaft zwischen Samaritern und Juden, er wendet sich ihr zu. Er spricht Worte, die wie frisches Wasser in der Wüste wirken. In ihm wird wahr, was der Prophet Jesaja so beschrieben hat: „Ihr werdet Wasser schöpfen mit Freuden, schöpfen aus den Quellen des Heils.“ (Jesaja 12,3) Jesus will nicht Menschen beherrschen, er will, dass sie aus der Quelle schöpfen und selbst zu Quellen werden.
Christinnen und Christen tragen die lebendigen Worte Jesu weiter. Und sie wirken. Ein grandioses Beispiel dafür ist die Predigt von Mariann Edgar Budde in dem traditionellen Gottesdienst nach der Amtseinführung von Donald Trump.
Mariann Edgar Budde ist Bischöfin der Episkopalkirche, einer der ältesten Kirchen in den USA, die in der Tradition der Anglikanischen Kirche steht. Sie hat bei ihrer Predigt normal gesprochen, eher leise, es gibt ja leider auch Predigerinnen und Prediger, die meinen, sie müssten die Botschaft mit Lautstärke verstärken.
Da sitzen also der Präsident und seine Leute in den Kirchenbänken und Frau Budde sagte ganz ruhig, obwohl sie vielleicht innerlich gezittert hat:
„Lassen Sie mich eine letzte Bitte äußern.
Herr Präsident, Millionen Menschen haben ihr Vertrauen in Sie gesetzt. Und wie Sie gestern der Nation gesagt haben, haben Sie die schützende Hand eines liebenden Gottes gespürt.
Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie, Erbarmen mit den Menschen in unserem Land zu haben, die jetzt Angst haben.
Es gibt schwule, lesbische und Transgender-Kinder in demokratischen, republikanischen und parteipolitisch unabhängigen Familien – einige von ihnen fürchten um ihr Leben.
Und es gibt die Menschen, die unsere Felder bestellen, unsere Bürogebäude reinigen, in Geflügelfarmen und Schlachthöfen arbeiten, das Geschirr abwaschen, nachdem wir in Restaurants gegessen haben, und Nachtschichten in Krankenhäusern übernehmen. Sie sind vielleicht keine Staatsbürger oder besitzen nicht die richtigen Papiere, aber die große Mehrheit der Einwanderer sind keine Kriminellen. Sie zahlen Steuern und sind gute Nachbarn.
Sie sind gläubige Mitglieder unserer Kirchen, Moscheen, Synagogen, (Gurdwaras) und Tempel.
Ich bitte Sie, Herr Präsident, um Erbarmen mit denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder befürchten, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden. Und darum, dass Sie denen helfen, die aus Kriegsgebieten und vor Verfolgung in ihren eigenen Ländern fliehen, hier Mitgefühl und Aufnahme zu finden.
Unser Gott lehrt uns, dass wir barmherzig gegenüber dem Fremden sein sollen, denn wir alle waren einst Fremde in diesem Land.
Möge Gott uns die Kraft und den Mut geben, die Würde jedes Menschen zu ehren, die Wahrheit zueinander in Liebe zu sprechen und demütig miteinander und mit unserem Gott zu gehen – zum Wohl aller Menschen in dieser Nation und in der Welt.“
+
Wahnsinn! Was für ein Mut!
Worte wie Wasser in der Wüste!
„Lassen Sie mich eine letzte Bitte äußern.
Herr Präsident, Millionen Menschen haben ihr Vertrauen in Sie gesetzt. Und wie Sie gestern der Nation gesagt haben, haben Sie die schützende Hand eines liebenden Gottes gespürt.
Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie, Erbarmen mit den Menschen in unserem Land zu haben, die jetzt Angst haben.
Es gibt schwule, lesbische und Transgender-Kinder in demokratischen, republikanischen und parteipolitisch unabhängigen Familien – einige von ihnen fürchten um ihr Leben.
Und es gibt die Menschen, die unsere Felder bestellen, unsere Bürogebäude reinigen, in Geflügelfarmen und Schlachthöfen arbeiten, das Geschirr abwaschen, nachdem wir in Restaurants gegessen haben, und Nachtschichten in Krankenhäusern übernehmen. Sie sind vielleicht keine Staatsbürger oder besitzen nicht die richtigen Papiere, aber die große Mehrheit der Einwanderer sind keine Kriminellen. Sie zahlen Steuern und sind gute Nachbarn.
Sie sind gläubige Mitglieder unserer Kirchen, Moscheen, Synagogen, (Gurdwaras) und Tempel.
Ich bitte Sie, Herr Präsident, um Erbarmen mit denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder befürchten, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden. Und darum, dass Sie denen helfen, die aus Kriegsgebieten und vor Verfolgung in ihren eigenen Ländern fliehen, hier Mitgefühl und Aufnahme zu finden.
Unser Gott lehrt uns, dass wir barmherzig gegenüber dem Fremden sein sollen, denn wir alle waren einst Fremde in diesem Land.
Möge Gott uns die Kraft und den Mut geben, die Würde jedes Menschen zu ehren, die Wahrheit zueinander in Liebe zu sprechen und demütig miteinander und mit unserem Gott zu gehen – zum Wohl aller Menschen in dieser Nation und in der Welt.“
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Wahnsinn! Was für ein Mut!
Worte wie Wasser in der Wüste!
In einem Kommentar hieß es: „Man möchte sich wünschen, dass Mariann Edgar Budde ihre Predigt auch bei uns, in diesem deutschen Wahlkampf hielte, vor allen Kandidierenden und ihren Claqueuren. Denn auch bei uns werden ganze Gruppen von Menschen pauschal als Gefahr herabgewürdigt, weil man sich davon Stimmen erhofft.“
Liebe Gemeinde, wir haben Worte des lebendigen Gottes. Wir müssen sie nur sagen.
Amen
Amen
Eine Ergänzung zur Predigt: Die evangelische und katholische Kirche haben eine Kampagne zur Bundestagswahl gestartet. Sie wollen die christlichen und gesellschaftlichen Werte „Menschenwürde“, „Nächstenliebe“ und „Zusammenhalt“ in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. Unter dem Motto „Für alle. Mit Herz und Verstand“ rufen sie dazu auf, durch aktive Teilnahme an den Wahlen die Demokratie zu stärken.
Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 26.1.2025 in Velber und Davenstedt
Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 26.1.2025 in Velber und Davenstedt