Predigttext: Hebräer 4,14-16
Liebe Gemeinde,
„Vater unser im Himmel“ – altvertraute Worte. Aber ist dieser Glaube nicht ziemlich naiv, dass da oben der Himmel ist mit Gott und dem Jesus, der zum Himmel aufgefahren ist, der die so genannte Himmelfahrt gemacht hat? Da oben gibt es Satelliten und noch weiter oben den Monde und noch weiter die Sonne und unglaublich viele weitere Galaxien, Abermilliarden Sterne und Planeten und geheimnisvolle schwarze Löcher. Seit Jahrhunderten schauen wir mit Teleskopen in den Himmel, und die modernen Teleskope zeigen uns phantastische Bilder von Galaxien, deren Licht nach einer Reise, die Millionen Jahren gedauert hat, zu uns kommt.
„Vater unser im Himmel“ – altvertraute Worte. Aber ist dieser Glaube nicht ziemlich naiv, dass da oben der Himmel ist mit Gott und dem Jesus, der zum Himmel aufgefahren ist, der die so genannte Himmelfahrt gemacht hat? Da oben gibt es Satelliten und noch weiter oben den Monde und noch weiter die Sonne und unglaublich viele weitere Galaxien, Abermilliarden Sterne und Planeten und geheimnisvolle schwarze Löcher. Seit Jahrhunderten schauen wir mit Teleskopen in den Himmel, und die modernen Teleskope zeigen uns phantastische Bilder von Galaxien, deren Licht nach einer Reise, die Millionen Jahren gedauert hat, zu uns kommt.
Ist da auch noch "unser Vater im Himmel“? Die modernen Wissenschaften haben den Himmel leergeräumt. Leergeräumt von den naiven Vorstellungen aus den alten Zeiten, dass da irgendwo Gott wohnen würde. Die Aufklärung sagt uns: da ist kein Gott, der auf uns aufpasst, da ist nichts.
Und gleichzeitig haben wir eine tiefe Sehnsucht danach, dass da doch etwas ist. Etwas, jemand. Jemand, der uns sieht, der uns in seiner Hand hält, der uns aufnimmt, wenn unser irdisches Leben vorbei ist. Etwas, jemand, das, der, die uns ein neues Leben geben kann. Jemand, zu dem wir Kontakt aufnehmen können.
Die englische Sprache hilft uns weiter. Während wir im Deutschen immer nur „Himmel“ sagen, unterscheidet das Englische zwischen „sky“ und „heaven“. „Sky“ ist der sichtbare Himmel über uns – ein Teil des Universums.
„Heaven“ ist ein Wort für das unsichtbare, biblische Himmelreich – ein Ort bei Gott ohne Krankheit, Tod, Gewalt, Krieg und Mühsames, ein Ort der Freude, ein Ort voller Frieden und dauerhaftem Glück.
Die Himmelfahrt Jesu könnten wir dann so verstehen: Er ist sozusagen vom „sky“ in den „heaven“ gewechselt, vom einen Himmel in den anderen Himmel.
Der sky-Himmel ist leergeräumt, aber das sollte uns nicht bange machen, denn der heaven-Himmel ist noch da und wird immer da sein! Aber es fällt nicht immer leicht, das zu glauben. Schon gar nicht, wenn es jemandem persönlich nicht gut geht, wenn jemand leiden muss, und wenn die Weltlage so bedrohlich ist, wie sie zur Zeit ist.
Unser heutiger Predigttext ist aus dem Hebräerbrief. Der Hebräerbrief wendet sich an müde gewordene Gemeinden. In der Gemeinde, für die er geschrieben worden ist, lebten vorbildliche Christinnen und Christen. Aber sie mussten viel erdulden. Sie wurden lächerlich gemacht, ihre Besitztümer wurden geraubt, einige aus der Gemeinde wurden gefangen genommen. Die Menschen in der Gemeinde waren deshalb verunsichert, müde, verbittert. Einige verließen einfach die Gottesdienste, sie konnten nicht mehr. Sie standen kurz davor, vom Glauben abzufallen.
Der Hebräerbrief sagt deshalb eindringlich: „Werft euer Vertrauen nicht weg“. Bleibt an Jesus Christus dran! Gebt nicht auf! Er hält sein Versprechen, euch am Ende aller Zeiten das Heil zu bringen. Er wird euch retten! Denn es gibt den Heaven, den göttlichen Himmel. Oder anders gesagt: Wir kennen den, der uns den heaven nahebringen kann: Im 4. Kapitel des Hebräerbriefs heißt es:
14 Wir haben einen großen Hohepriester,
der alle Himmel durchschritten hat:
Es ist Jesus, der Sohn Gottes.
Lasst uns also an dem Bekenntnis zu ihm festhalten!
15 Er ist kein Hohepriester,
der nicht mit unseren Schwachheiten mitleiden könnte.
Er wurde genau wie wir
in jeder Hinsicht auf die Probe gestellt.
Nur war er ohne Sünde.
16 Lasst uns also voller Zuversicht
vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten.
So können wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden.
Und so werden wir zur rechten Zeit Hilfe bekommen.
Jesus wird hier mit einem „großen Hohenpriester“ gleichgesetzt.
Die Priester sorgten für den Betrieb am Tempel in Jerusalem. Sie sind, kurz gesagt, für den Kontakt zu Gott, für die Vermittlung zwischen Mensch und Gott, zuständig. Der Hohepriester ist der oberste Priester mit einer besonderen Aufgabe: Er leitete am großen Versöhnungstag im Tempel in Jerusalem den Gottesdienst, in dem die Sünden beseitigt werden, die trennend zwischen Gott und den Menschen stehen.
Wenn Jesus in unserem Text der große Hohepriester genannt wird, übernimmt er diese Rolle. Er ist am Kreuz für die Sünden der Menschen gestorben. Er hat alles beseitigt, was uns von Gott trennt. Er hat uns einen Zugang zu Gott, eine Tür zum heaven, geöffnet.
Dabei kann sich der große Hohepriester durchaus in unsere Lage versetzen und unseren Zweifel und alle Nöte verstehen. Denn er hat selbst Schwachheit erlebt und wurde auf die Probe gestellt. Denken wir nur an die Versuchungsgeschichten (= Evangeliums-Lesung). Als Jesus in der Wüste hungrig war, kam der Versucher und sagte zu ihm: »Wenn du der Sohn Gottes bist, befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden!« Und als Jesus am Kreuz hing, schrie er »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Jesus ist beides: er ist der große Hohepriester, der den Kontakt mit Gott herstellen kann, und er ist der schwache Mensch, der sich in unsere Lage versetzen kann. Das macht ihn vertrauenswürdig. Deshalb heißt es in unserem Text: „Lasst uns also voller Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. So können wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden. Und so werden wir zur rechten Zeit Hilfe bekommen.“
Liebe Gemeinde, es macht nichts, dass die moderne Welt den Himmel leergeräumt hat. Es ist nur der sky, der sichtbare Himmel. „Werft euer Vertrauen nicht weg“ sagt der Hebräerbrief. Denn ihr habt den großen Hohenpriester, ihr habt Jesus, der für euch die Trennung des Sichtbaren vom Unsichtbaren aufgehoben hat und dafür gesorgt hat, dass sich Himmel und Erde berühren.
Martin Luther hat einen Vers aus dem Hebräerbrief so übersetzt: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
Im Glauben berühren sich Himmel und Erde, und wir können das selbst erleben, so wie es in dem Lied heißt, das wir gleich singen werden:
„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.“
„Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde.
Amen.
Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 9.3.2025 in Davenstedt
Dr. Johannes Neukirch, Predigt am 9.3.2025 in Davenstedt