Predigt zur Christnacht am 24. Dezember 2024

Fri, 27 Dec 2024 12:59:03 +0000 von Martin-Luther-Kirchengemeinde Ahlem

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der als Kind in die Welt kam, der uns in der Kraft Gottes begleitet und der uns ins ewige Leben retten wird. Amen. 

Paulus schreibt im 1. Timothesbrief (3,16): Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. 

Liebe Gemeinde!

Es ist als wollte Paulus laut rufen: Leute, mehr geht nicht! Was soll ich euch denn noch alles schreiben, damit ihr wisst, an wen ihr glaubt. 

Es ist doch ganz einfach: Jesus Christus ist offenbart im Fleisch, also in menschlicher Gestalt in die Welt gekommen. Er ist gerechtfertigt im Geist -  das meint: Gottes Geist hat ihn von den Toten auferweckt und damit seine Göttlichkeit bewiesen. Gottes Boten, die Engel, haben das gesehen. Von Menschen ist das der Welt bekannt gemacht worden. Das hat dazu geführt, dass Menschen an Jesus Christus glauben.  Und zum guten Schluss hat ihn Gott aufgenommen in seine Herrlichkeit. 

Kurzum: Alle nur denkbaren Kräfte sind daran beteiligt zu zeigen: Jesus Christus ist euer Heiland, er wird euch vom Tod erretten. Beteiligt sind Gott und sein Geist und Engel und der ganze Kosmos. Und menschliche Kräfte verkündigen das dann.

Langsam, langsam, möchte ich wiederum dem Paulus zurufen. Ich bin hier gerade in einem Weihnachtsgottesdienst, da sind wir noch ganz am Anfang, da geht es erst mal um die Geburt!

Gut, Paulus kannte das Weihnachtsfest noch gar nicht! Als die Weihnachtsgeschichte in der uns bekannten Form des Lukasevangeliums geschrieben wurde, lebte er schon nicht mehr. Und selbst wenn er sie gekannt hätte, hätte er wohl kaum so ein Weihnachtsfest daraus gemacht, wie wir das feiern. Für ihn standen mehr das Kreuz und die Auferstehung und die Vergebung der Sünden im Mittelpunkt. Wohl kaum die Krippe und Ochs und Esel und der Stern und die Weisen aus dem Morgenland und die rührseligen Lieder und was für uns sonst noch alles dazugehört. 

Aber bei genauem Hinsehen kommen Paulus und unser Weihnachten doch zusammen: 

Wenn wir Paulus gesagt hätten: Ja, Paulus, vielleicht kannst du mit unserem Weihnachtsfest nicht viel anfangen. Aber wir sind uns doch darin einig, dass Gott in einem Kind, ganz und gar als Mensch, in unsere Welt gekommen ist. Dann hätte er uns sicherlich recht gegeben.

Und darin, dass das ein Geheimnis ist, sicher auch. Denn wie sollen wir das anders nennen, als ein Geheimnis  - dass Jesus Mensch und Gott zugleich war und ist. Und dass der Geist Gottes nach seiner Auferstehung weiter gewirkt hat und bis heute wirkt. Dass er nach wie vor dafür sorgt, dass Menschen an ihn glauben.

Wie schrieb er noch mal - „Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“  

Diese Sätze, wahrscheinlich sind sie ein frühchristlicher Hymnus, holen uns aus der weihnachtlichen Zuckerbäckerei heraus und bringen Weihnachten auf den Punkt. Der große, allmächtige Gott  liegt in der Not und Hilflosigkeit eines Säuglings in der Krippe und zeigt gerade darin seine Herrlichkeit.

Dem, was da geschieht, kommen wir mit Intellekt und Verstand nicht auf die Spur. Es kann aber sein, dass dieses Erscheinen Gottes uns ergreift, uns verändert und uns seinen tiefen Sinn zeigt, wenn wir die ganze Geschichte mit Jesus bedenken: 

Jesus wird sein Menschenleben lang schlafen gehen und aufstehen, wach sein und müde werden, essen und trinken, weinen und lachen, mutig und stark, aber auch ängstlich sein wie wir. 

Gleichzeitig wird in ihm Gott da sein – den geplagten Menschen zugewandt, im Konflikt mit den strengen, gesetzestreuen Menschen seiner Zeit. 

Jesus wird die Menschlichkeit über alles stellen. Er wird die Liebe Gottes bezeugen. Die Liebe, die allen Menschen gilt, auch seinen Feinden. „Ich bin nicht gekommen, um mir dienen zu lassen, sondern um zu dienen und euch von der Macht des Bösen zu befreien“, wird er sagen.  Er wird sein Leben hingeben, damit wir ihm Gottes Liebe glauben. Damit wir verstehen, dass Gottes Liebe auch seinen Feinden gilt, dass sie die ganze Welt umfasst. 

Denn genau das will Gott: für uns Menschen auf der ganzen Welt da sein, uns an die Hand nehmen und mit uns durchs Leben gehen. Und deshalb wird Jesus am Kreuz sterben – mit nicht mehr als etwas über 30 Jahren. Es ist diese Liebe Gottes, die ihn stark genug macht, seinen schweren Weg für uns zu gehen. Sie rettet ihn auch aus dem Tod.  „Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten?“ fragt der Engel die Frauen am Ostermorgen am Grab. Und er beantwortet auch gleich die Frage: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ 

Wenn wir Paulus in unsere Weihnachtsfeiern mit hineinnehmen, dann sagen wir: Gott ist da. Auch mitten in unserer Welt, in unserer Zeit, in der es den Anschein hat, dass die Macht des Bösen noch immer herumwütet, Menschen fest im Griff hat, sodass sie nicht vor Gewalt zurückschrecken, dass sie erbarmungslos anderen Leid und Tod zufügen, wie gerade vor wenigen Tagen in Magdeburg und an vielen anderen Orten auf unserer Erde. 

Gottes Gegenwart können wir erfahren in all dem, was uns von ihm überliefert ist, wenn wir in der heiligen Nacht und in den Tagen danach seine Geburt feiern, wenn wir auch weiter von ihm lesen, hören und reden, wenn wir uns nicht von dem beherrschen lassen, was wir in unserer Welt sehen und erleben, sondern mit seiner Nähe rechnen. 

Lasst uns den Gott, der sich in die Krippe gelegt hat, bitten, dass er uns öffnet für seinen Sohn Jesus Christus. Damit Weihnachten in uns, in unseren Herzen und Gedanken geschieht. Damit unser ganzes Leben durch ihn geheilt, getröstet, gehalten und gerettet ist. Und damit wir so gestärkt auch unsere Welt ein wenig heiler und getroster machen können.

„In seine Lieb versenken / will ich mich ganz hinab; / mein Herz will ich ihm schenken / und alles, was ich hab // Dazu dein Gnad mir gebe, bitt ich aus Herzensgrund, dass dir allein ich lebe, jetzt und zu aller Stund.“ 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.
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